· Redaktion rechnungslösungen.ch · Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

E-Rechnung und eBill in der Schweiz: Digitale Rechnungen stellen und empfangen

Was hinter Begriffen wie E-Rechnung, eBill, QR-Rechnung und strukturierten Daten steckt, welche Varianten es in der Schweiz gibt und was Freelancer und KMU beim digitalen Rechnungsversand beachten müssen.

Was hinter Begriffen wie E-Rechnung, eBill, QR-Rechnung und strukturierten Daten steckt, welche Varianten es in der Schweiz gibt und was Freelancer und KMU beim digitalen Rechnungsversand beachten müssen.
Redaktionell geprüft Schweiz-Fokus Stand 16. Aug. 2026

Redaktion rechnungslösungen.ch

Unabhängige Redaktion für Schweizer Rechnungssoftware, Vorlagen und Entscheidungsfragen von Freelancern, Einzelfirmen und kleinen Dienstleistungsteams.

Die Einordnung folgt Schweizer Kriterien wie QR-Rechnung, MWST, Bedienbarkeit, Workflow-Reibung, Kostenklarheit und Übergaben an Buchhaltung oder Treuhand.

Veröffentlichung: 16. Aug. 2026
Letzte redaktionelle Prüfung: 16. Aug. 2026

Rechnungen per Post waren in der Schweiz lange der Normalfall — heute ist der digitale Versand der Standard. Doch «digital» bedeutet nicht überall dasselbe: Eine PDF im E-Mail-Anhang, eine Rechnung direkt im E-Banking des Kunden und eine maschinenlesbare Datendatei sind drei verschiedene Dinge. Dieser Artikel ordnet die Begriffe ein und zeigt, welche Variante für welches Kundenprofil passt.

Die drei Stufen digitaler Rechnungen

StufeWas es istWas der Kunde damit macht
PDF per E-MailDigitales Abbild einer PapierrechnungAusdrucken oder manuell im E-Banking erfassen
QR-Rechnung (digital)PDF mit integriertem Zahlteil und QR-CodeQR-Code scannen, Zahlung wird vorbefüllt
E-Rechnung (strukturiert) / eBillMaschinenlesbare Daten bzw. Rechnung direkt im E-BankingAutomatisiert verbuchen oder per Klick freigeben

Die Stufen bauen aufeinander auf: Ein PDF mit QR-Code ist bereits ein grosser Effizienzsprung, weil das Erfassen der Zahlungsdaten wegfällt. Die strukturierte E-Rechnung geht weiter und erübrigt auch das manuelle Verbuchen.

eBill: die Rechnung direkt im E-Banking

eBill ist das Schweizer Verfahren für Rechnungen direkt im Online-Banking. Der Ablauf aus Sicht des Rechnungsstellers:

  1. Registrierung: Sie registrieren sich als Rechnungssteller bei SIX bzw. über Ihre Software oder Hausbank.
  2. Rechnung erstellen: Die Rechnungsdaten werden als strukturierter Datensatz übermittelt — entweder über die eigene Rechnungssoftware oder ein Online-Portal.
  3. Kunde erhält die Rechnung im E-Banking: Sie erscheint direkt im Konto des Kunden mit Betrag, Datum und Rechnungsdaten.
  4. Freigabe: Der Kunde prüft und gibt die Zahlung frei — der Zahlungstermin kann dabei frei gewählt werden.

Der grösste Vorteil liegt auf der Hand: Die Zahlung muss nicht mehr erfasst werden, und die Rechnung geht im E-Mail-Posteingang nicht unter. Experience-Werte der Branche zeigen deutlich schnellere Zahlungseingänge bei Privatkunden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Kunde eBill aktiv nutzt — wer die Zustimmung nicht erteilt hat, erhält die Rechnung auf dem klassischen Weg.

Praktisch wichtig: eBill ersetzt nicht die formellen Anforderungen. Die Pflichtangaben wie UID, Rechnungsnummer und Datum müssen auch im eBill-Datensatz korrekt hinterlegt sein. Was eine gültige Rechnung enthalten muss, zeigt der Überblick zu den Pflichtangaben auf der Schweizer Rechnung.

Die QR-Rechnung als Schweizer Basisstandard

Während eBill ein Opt-in beider Seiten verlangt, funktioniert die QR-Rechnung universell: Jeder Kunde mit Schweizer Bankkonto kann sie bezahlen. Der QR-Code enthält alle Zahlungsdaten inklusive Referenznummer, die eine eindeutige Zuordnung der Zahlung erlaubt.

Die Kombination aus PDF-Rechnung mit integriertem QR-Zahlteil per E-Mail ist für die meisten Freelancer der Sweet Spot: kein Porto, keine Warteschleife im Postweg, einfache Zahlung. Wie Sie solche Rechnungen erstellen, erklärt die Anleitung QR-Rechnung erstellen in der Schweiz.

Zum Vergleich der beiden Wege: Die Erklärung zur Schweizer QR-Rechnung auf gratisrechnung.ch zeigt den Aufbau des Zahlteils im Detail — inklusive der Felder, die für die Automatisierung relevant sind.

Strukturierte E-Rechnungsdaten: das Format hinter dem Trend

Im internationalen Raum verbreiten sich Formate wie ZUGFeRD/Factur-X (DE/EU) oder UBL. In der Schweiz spielt für B2B-Transaktionen die dahinterliegende Logik die wichtigere Rolle: Rechnungsdaten so zu übermitteln, dass das Empfängersystem sie ohne manuelle Erfassung verbuchen kann.

Wer an grössere Unternehmen liefert, kennt die Anfragen: Rechnungen über ein Lieferantenportal hochladen, als XML senden oder in ein bestimmtes Schema exportieren. Rechnungsprogramme mit Schnittstellen nehmen diese Arbeit ab. Welche Werkzeuge das beherrschen, zeigt der Vergleich der besten Rechnungsprogramme für Freelancer.

Zwei Punkte verdienen Aufmerksamkeit:

  • Archivierung: Digitale Rechnungen müssen gemäss MWSTG während der Aufbewahrungsfrist in unveränderter Form verfügbar sein. Ein sauber geführtes Archiv in der Software erfüllt das; lose PDFs im Download-Ordner nicht.
  • Echtheit und Integrität: Der Nachweis, dass die Rechnung nicht verändert wurde, ergibt sich aus dem Systemkontext. Wer Rechnungsnummern lückenlos vergibt und den Versand protokolliert, ist auf der sicheren Seite — die Grundlagen dazu stehen im Leitfaden Rechnung schreiben in der Schweiz.

Welche Variante passt zu welchem Kunden?

KundenprofilEmpfohlener Weg
PrivatkundeneBill (wenn aktiviert) oder QR-Rechnung als PDF
Kleine KMU ohne BuchhaltungsautomatisierungQR-Rechnung als PDF per E-Mail
KMU mit BuchhaltungssoftwareE-Rechnung / PDF mit strukturierten Daten
Konzerne, öffentliche VerwaltungVom Empfänger vorgegebenes Format bzw. Portal

Die Mischung ist normal: Viele Selbständige stellen Privatkunden eBill- oder QR-Rechnungen und Geschäftskunden PDFs mit strukturiertem Datenteil. Moderne Software beherrscht alle Kanäle parallel.

Rechtliche Einordnung: kein Zwangsformat, aber Pflichten

Anders als in der EU mit ihrer E-Rechnungsverordnung kennt die Schweiz keine verbindliche Umstellungsfrist auf ein bestimmtes E-Rechnungsformat. Massgebend bleiben die allgemeinen Regeln: formelle Pflichtangaben nach Art. 26 MWSTG, Aufbewahrung während zehn Jahren und Gewährleistung von Echtheit und Integrität.

Wer internationale Kunden hat, sollte die dortigen Anforderungen im Blick behalten: In Deutschland und weiteren EU-Ländern laufen Fristen für die Empfangspflicht strukturierte E-Rechnungen. Die formale Seite von Auslandsrechnungen — Sprache, MWST-Vermerke, Leistungsort — behandelt der Ratgeber Rechnung auf Englisch stellen.

E-Rechnung im Kontext der eigenen Buchhaltung

Die digitale Rechnungsstellung entfaltet ihren vollen Nutzen erst im Zusammenspiel mit der Buchhaltung: Zahlungseingänge werden über die QR-Referenz automatisch zugeordnet, offene Posten schliessen sich selbst, und die MWST-Abrechnung zieht die Daten direkt aus den Rechnungen. Wie dieser Zusammenhang funktioniert, erklärt der Guide zu E-Rechnungen und eBill für Selbständige auf selbständige.ch.

Für Gründer, die das Thema beim Aufsetzen ihres Betriebs angehen wollen, ordnet der Beitrag Buchhaltung in der Schweiz auf gründer-schweiz.ch die Rechnungsstellung in die Gesamtarchitektur ein.

Quellen

Häufige Fragen

Ist eine E-Mail mit PDF-Rechnung bereits eine E-Rechnung? +

Im weiteren Sinne ja: Eine per E-Mail versandte PDF gilt als elektronische Rechnung und ist in der Schweiz steuerlich anerkannt, sofern die Echtheit und Integrität gewährleistet sind — etwa durch die UID-Nummer, die Rechnungsnummer und einen nachvollziehbaren Versandweg. Im engeren Sinne verstehen Fachleute unter E-Rechnung heute jedoch maschinenlesbare Formate mit strukturierten Daten.

Was ist der Unterschied zwischen eBill und der QR-Rechnung? +

Die QR-Rechnung ist ein physischer oder digitaler Zahlteil mit QR-Code, den der Kunde selbst auslöst — Drucken, scannen oder E-Banking-Zahlung erfassen. eBill liefert die Rechnung direkt ins E-Banking des Kunden, wo sie mit einem Klick freigegeben wird. eBill setzt dafür eine Registrierung als Rechnungssteller und die Zustimmung des Kunden voraus.

Was kostet eBill als Rechnungssteller? +

Die Grundgebühr beträgt branchenüblich einige Rappen pro Rechnung, je nach Mengenrabatt und Weg über Software-Anbieter oder direkt über die Bank. Für Rechnungen an Privatkunden mit hohem Volumen amortisiert sich das über schnellere Zahlungseingänge und weniger Mahnwesen.

Muss ich als Kleinunternehmer überhaupt auf E-Rechnungen umstellen? +

In der Schweiz besteht keine Pflicht zu einem bestimmten Format. Wer aber KMU-Kunden beliefert, die ihre Buchhaltung automatisieren, kommt um strukturierte Rechnungsdaten früher oder später nicht herum — spätestens wenn diese Kunden PDF-Rechnungen manuell erfassen müssen und das zur Krankheit des Geschäftsverhältnisses wird.

Für welche Kunden lohnt sich eBill am meisten? +

Für Privatkunden und sehr kleine Unternehmen ohne eigenes Rechnungswesen. Konzernabteilungen und grössere KMU arbeiten stattdessen mit E-Mail-PDF, Upload-Portalen oder direkten Systemanbindungen — für sie ist eBill als Empfangskanal weniger relevant.

Teilen:
Zurück zum Ratgeber

Nächste sinnvolle Artikel

Zum gesamten Ratgeber »